Rahmenprogramm der DRITTEN Verlegung von Stolpersteinen in Steinhude und Wunstorf (am 3. November 2026, ab 14 Uhr) im Rahmen der Wanderausstellung des Anne Frank Zentrum e.V. (Berlin) „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ in der Wunstorfer Stadtkirche:
Aus der Heil- und Pflegeanstalt Wunstorf wurden 1940/1941 im Rahmen der Euthanasie-Aktion insgesamt 370 Frauen und Männer deportiert. Für den Transport von 158 Jüdinnen und Juden aus 25 Anstalten war Wunstorf bis auf wenige Ausnahmen nur eine Zwischenstation. Die Betroffenen blieben den Mitarbeitenden der Anstalt weitgehend fremd. Anders war es bei den 212 Frauen und Männern, die nach oft jahrelangem Aufenthalt „auf Transport gingen“. Denkmal und Stolperschwellen weisen auf dem Klinikgelände auf ihr Schicksal als Gruppe hin, als Persönlichkeiten sind sie nicht erkennbar.
„Sichtbar machen!“ soll als Vortrag die Suche nach den verloren gegangenen Geschichten beschreiben. An fünf Schicksalen wird das Entdecken und Zusammenfügen von Bausteinen beschrieben, um den Menschen und seine Lebensgeschichte wieder sichtbar zu machen. Das Suchen, das Erstaunen über einzelne Funde, auch das Zweifeln an „mehr gibt’s wohl nicht“ wird dargestellt. Sie hat auch dazu geführt, das Abwegige und Grauenvolle der „Euthanasie“, das Widersprüchliche im Verhalten der Täter, deutlicher zu erkennen. Die Suche ist nicht abgeschlossen.
In diesem Sinne werden die fünf „Fallgeschichten“ im Vortrag eine Orientierung zum Thema der „Krieg gegen die psychisch Kranken“ geben. Sie regen aber auch an, aufmerksamer heutige Stimmungen und Vorstellungen zum Umgang mit Minderheiten wahrzunehmen.
Dr. med. Michael von der Haar war seit dem Jahr 1985 im LKH Wunstorf tätig; ein Wechsel nach Bad Rehburg erfolgte 1986. Seinen Facharzt als Nervenarzt erhielt er ein weiteres Jahr später. In Bad Rehburg war er bis Ende 2015 – lange Zeit als Chefarzt – tätig. In dieser Zeit kam auch sein zusätzlicher Abschluss als M. A. Organization studies (2006) hinzu. Seit 2016 war Dr. von der Haar selbständiger Gutachter; mittlerweile ist er im Ruhestand.
1955 in Hannover geboren ist Dr. von der Haar dort und in Resse (Wedemark) aufgewachsen. Nach der Grundschule war er an der Tellkampfschule in Hannover, wo er 1974 das Abitur erlangte. 1975 erfolgte der Abschluss der Ausbildung zum Krankenpflegehelfer; 1976 bis 1982 das Studium der Medizin in Erlangen, Köln und Hannover; anschließend bis 1985 die Ausbildung in der Neurologie in Herford. Er ist verheiratet, Vater und stolzer Opa.
Seit der Jahrtausendwende wuchs sein Interesse an der Frage des Umganges mit psychisch Kranken in der NS-Zeit, zunächst der Suchtkranken, dann auch an dem Thema "T4-Aktion" mit dem Schwerpunkt der Heil- und Pflegeanstalt Wunstorf.
Sein Leitsatz lautet: „Man muss viel wissen, um die richtigen Fragen stellen zu können." Sein Lieblingswort: „Warum …?!“
[Photo oben: Dr. med. Michael von der Haar,
Photo rechte Seite: Das Wunstorfer Euthanasie-Opfer Otto Ernst Bendix.]


